Die Herkunft und Sprache der Kurden

Diese Landkarte zeigt, wo die Kurden heute leben!

Einst herrschte König Zuhak, der so grausam war, dass die Manschen ihm oft auch für einen Dämon hielten. Auf seinen schultern wuchsen zwei schlangen. Sie mussten jeden Tag mit den Gehirnen zweier Kinder gefüttert werden, um es zu besänftigen. Eines Tages kamen die Diener des schrecklichen

Königs auf die Idee, die Schlangen mit Scharfgehirnen zu füttern, weder Zuhak noch die schlangen merkten irgendwas davon. Die geretteten Kinder wurden der Obhut der Berge übergeben -

die Urahnen des kurdischen Volkes –

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Volksagen wie diese, die die Abstammung der Kurden erklären wollen, gibt es viele. Auch die biblische

Sintflutsage erzählen die Kurden in einer eigenen Version: Noah habe nach der Sintflut vom Berg Ararat

aus eine Taube geschickt, die jedoch nicht zurückkehrte, sondern sich bei den kurdischen Ahnen

niederließ. Sie hatten auf den Bergen als einziges Volk die Sintflut überstanden. Von den kurdischen

Berggipfeln aus erfolgte die Neubesiedlung der Welt.

Das sehr viel ältere Gilgamesch-Epos (2000 v. Chr.) scheint die These zu stützen: Demnach sollen acht.

Könige geherrscht haben, bevor die Flut kam. Im Anschluss an die Flut so das Epos, hätten dann die

Bergfürsten die Macht übernommen. Auch in der Wissenschaft herrscht Ungewissheit über die Ursprünge

dieses Volkes.

 

Kurdistan - >das Land der Kurden< - ist eine strategisch wichtige Region im Nahen Osten, die

bedeutende Teile der Türkei, des Irans, des Iraks, sowie Syrien umfasst. Einen souveränen Staat mit

Namen Kurdistan hat es allerdings nie gegeben. Die Region beinhaltet Gebiete des Ararathochlandes, des

örtlichen Taurus mit seinem südlichen Vorland, des nördlichen Zagrossgebirges und der östliche

Hochplateaus des mesopotamischen Tieflandes am mittleren Tigris.

Wahrscheinlich sind die Kurden die Nachfahren indoeuropäischer Stämme, die sich vor etwa 4000

Jahren zwischen den Eingeborenen des Zagrossgebirges niedergelassen haben. Auf sumerischen

Steinschwellen wurde bereits 2350 v. Chr. eine Gegend namens „Kardaka“ (Kardo) erwähnt.

Die Sumerer hatten zwischen 3200 & 2800 v. Chr. im südlichen Mesopotamien eine der ältesten

Hochkulturen der Welt aufgebaut. Die Ähnlichkeit der Namen Kardo und Kurden deutet zwar auf eine

Verwandtschaft hin, doch eine Ethnogenese ist nicht eindeutig möglich.

Die Kurden selbst sind Nachkommen der Meder, einem westiranischen Bergvolk mit indogermanischer

Sprache. Die Macht der Meder wuchs im ausgehenden siebten Jahrhundert vor Christus so stark an,

dass sie das assyrische Großreich, unter dessen Vorherrschaft sie bis dahin leben mussten, zu bekriegen

begannen. Nachdem der assyrische König Assurbanipal gestorben war, gelang den Medern die

Begründung eines eigenen Reiches. Am 21. März 612 v. Chr. zerstören sie zusammen mit babylonischen

Kriegern die assyrische Hauptstadt Ninive, die in der Nähe von Aserbaidschan im Zagross drangen sie

bis tief in die anatolischen Täler vor. Unter der medischen Herrschaft litt jedoch das persische

Brudervolk, das im Nordwesten des Heutigen Irans siedelte. 588 v. Chr. an für einige hundert Jahre Teil

des persischen Riesenreiches der Achämeniden.

Ob die Kurden nun direkt von den eingewanderten westiranischen Medern abstammen oder aber von

einer Urbevölkerung anderen Ursprungs (Kardo), die schon zuvor in diesen Bergen lebte und dann von

den Medern iranisiert wurde, ist also nach wie vor nicht eindeutig geklärt. Aus Aufzeichnungen des

griechischen Generals Xenophon geht hervor, dass um 400 v. Chr. ein äußerst kriegerisches Volk, die

Karduchen, das Zagrossgebirge bewohnte. Ihre ethnische Verbindung mit den heutigen Kurden wird

nicht mehr bezweifelt. Die Kurden leben somit weitaus länger als die Araber und die Türken in diesem

Gebiet. Die ethnische Bezeichnung  „ Kurde“ wird allerdings erst mit der arabischen Eroberung im siebten

Jahrhundert nach Christus geprägt. Seitdem benennt der Begriff ein Gemisch iranischer und iranisierte

Stämme, deren Sprache zum Iranischen Zweig der indoeuropäischen Sprachfamilie gehört. Seit dem 16.

Jahrhundert wird das Wort  „Kurdistan“ für die hauptsächlichen Siedlungsgebiete der Kurden benützt.

 

Im Gegensatz zu den Iranern, den Türken und den Arabern haben die Kurden keine einheitlich

systematisierte Sprache entwickeln können. Das Kurdische zerfällt, je nach Gegend, in zahlreiche

unterschiedliche Dialekte, weshalb sich die Kurden untereinander, Wenn überhaupt, nur bruchstückhaft

verständigen können. Eine kurdische Schrift gibt es nicht, die Menschen verwenden hauptsächlich

arabische, aber auch lateinische oder kyrillische Buchstaben. Man unterscheidet im wesentlichen drei

Dialektgruppen: Erstens die nördlichen und nordwestlichen Dialekte, die „Kurmancî“ genannt werden und

in einigen Städten reden die Kurden Badinî. Im Süden Kurdistans leben allerdings auch einige Stämme,

die sich selbst „Kurmanc“ und ihre Sprache demnach auch „Kurmancî“ nennen, obwohl sie der südlichen

Dialektgruppe angehören. Zu dieser zweiten südlichen Dialektgruppe zählen beispielsweise auch die

Dialekte Soranî, Mukrî oder Silêmanî. Im Südosten Kurdistans spricht man dagegen Sineî, Kirmashanî

und Lekî. Diese letzte Gruppe steht dem modernen persisch nahe. Zwei weitere kurdische

Dialektgruppen gehören einem anderen Zweig der iranischen Sprache an: Es sind Zaza im Nordwesten

und Gûranî in einigen Enklaven im Süden. Die restriktive Sprachenpolitik der Türkei hat jedoch dazu

geführt, dass das Nordkurdische, das früher in der kurdischen Literatur der dominierende Dialekt

gewesen ist, verkümmert ist und nur noch in der Alltagssprache Anwendung findet. Demgegenüber wird,

aufgrund der verhältnismäßig liberalen Sprachenpolitik in Irak und Iran, das Südkurdische allmählich zur

vorherrschenden Schriftsprache der Kurden.